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Regionalliga West/Südwest >>>>>> Saison 1998/99

20. Spieltag - 1. FC Saarbrücken (Tivoli)

Vorschau:



    Original-Text Alemannia Web vom 14.12.98
    Nachdem der „Ausflug“ nach Dortmund gut überstanden wurde, steht der nächste Knüller auf dem Programm. Wer das Spiel am Samstag gegen Saarbrücken nicht live im Stadion verfolgen kann, sollte sich vors Radio setzen. Wie immer übertragen beide Aachener Sender LIVE. Einen prominenten Co-Moderator hat dabei Achim Kaiser von Antenne AC „an Land gezogen“. Kein Geringerer als der Oberbürgermeister der Stadt Aachen und Verwaltungsratvorsitzende der Alemannia Dr. Jürgen Linden sitzt am Samstag mit vor dem Mikrofon und wird das Spiel für die Daheimgebliebenen kommentieren.


Alemannia Aachen - 1. FC Saarbrücken 0:2 (0:0)
Zuschauer: 6.000 (ca. 200 aus Saarbrücken)

    Original-Spielbericht vom "Jupp aus Aachen"

    Im letzten Spiel des Jahres 1998 kommt mit dem 1. FC Saarbrücken die Mannschaft zum Tivoli, die vor der Saison zu einer der allerersten Favoriten auf den Aufstieg genannt wurde. Nach traditionell schwachem Start haben sich die Saarländer nach ihrem Trainerwechsel auch inzwischen weiter nach vorne gearbeitet. Dem wollten wir heute Einhalt gebieten. Es sollte aber anders kommen.

    Etwas enttäuschend war der Zuschauerzuspruch. "Nur" gut Sechstausend fanden am letzten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten den Weg zum Tivoli, darunter die recht ordentliche Zahl von ca. zweihundert Gästen. Da hatten wir alle mit mehr Alemannia-Fans gerechnet. Nächste Überraschung, Dennis Ibrahim rückte für René Hahn in die Mannschaft, also die offensivere Variante. Aber auch Uli Sude begann mutig, bot wie im Hinspiel drei Stürmer auf.

    Nach vorsichtigem Abtasten und der schnellen Erkenntnis schon zu Beginn, daß Sambo Choji ein riesiger Dribbelkünstler ist, gibt es erste Aufregung in der sechsten Minute. Dennis Ibrahim dringt in den gegnerischen Strafraum ein, wird am Trikot gezupft und geht zu Boden. Doch der Schiedsrichter zeigt schon in dieser Szene, daß er nicht gerade ein Heimschiedsrichter ist, also kein Elfmeter. In der 22. Minute findet wieder Dennis Ibrahim Erwähnung. Einen Freistoß von der halbrechten Seite flankt André Winkhold genau auf seinen Stürmerkollegen, doch dessen Kopfball geht links am Tor vorbei. Fünf Minuten später kommt dann für unsere Mannschaft die Chance zur Führung. Stephan Lämmermann hat sich auf dem linken Flügel durchgesetzt, kann flanken, Mario Krohm kommt aber nicht an den Ball. Der Ball wird abgewehrt, rollt auf Thomas Lasser zu, doch der überläßt Andreas Bluhm den Ball, der gefühlvoll über die Abwehr nach innen flankt. Dort laufen Dennis Ibrahim und Mario Krohm gleichzeitig auf den Ball zu, sind frei vor dem Tor, behindern sich aber bei der Ballannahme so umständlich selber, daß sich TW Ebertz noch so gerade vor einem Torschuß auf den Ball stürzen kann. Was für eine Gelegenheit! Der Torriecher beider Stürmer war hier eher hinderlich oder hat einer den Zuruf (falls es den gab) des anderen nicht gehört? Egal, weiter geht's, und wie. In der 35. Minute grätscht Klyk seinem Gegenspieler Bart Meulenberg derart brutal in die Beine, wie ich das schon lange nicht mehr gesehen habe und was schon fast an Tätlichkeit grenzt. Bart Meulenberg bleibt wie vom Blitz getroffen liegen. Tumult und Aufregung vor der Saarbrücker Trainerbank, dem Tatort. Aufgeregte Spieler, Trainer und Zuschauer und ... der Totalaussetzer von unserem Frank Schmidt. Aus fast dreißig Metern kommt er angerannt, erzählt dem Übeltäter ein paar (un-)freundliche Worte und stößt ihn dabei weg. Klyk bleibt wie von der Tarantel gestochen liegen und ... noch mehr Aufregung. Nachdem sich alles etwas beruhigt hat, kommt die Entscheidung des "Unparteiischen". Gelb für Saarbrücken, rot für Aachen .... noch mehr Aufregung. Klyk erzählt zwar sonntags im Fernsehen, daß er die rote Karte für überzogen gehalten hat, aber ausgelöst hat er sie nun mal und wird auch bis zur Pause entsprechend ausgepfiffen.

    Trainer Werner Fuchs vor der Partie:

    Was zeichnet Ihre Mannschaft sonst in dieser Spielzeit aus?

    Unsere Neuzugänge haben sich durchweg als wertvolle Verstärkungen erweisen. Dadurch gibt es in unserem Kern-Kader von 19 Spielern praktisch kein Leistungsgefälle. Das macht sich natürlich positiv bemerkbar. Dadurch kann ich auch 'mal variieren und gut auf mögliche Ausfälle reagieren.
    Die zweite Halbzeit beginnt ohne Änderung in den Aufstellungen und gleich mit einer Riesenchance für die Alemannia. Stephan Lämmermann hat im Mittelfeld den Ball, dribbelt Richtung Strafraum, spielt dort einen tollen Doppelpaß mit Mario Krohm und ist allein vor dem Tor. Doch ehe er schießt spitzelt ihm in letzter Sekunde ein Saarbrücker Abwehrspieler den Ball vom Fuß zur Ecke. Eine Sekunde zu lange gezögert, das hätte die Führung sein können. In der 55. Minute kommen die Saarländer das erste Mal gefährlich vor unser Tor. Choji läuft auf dem linken Flügel Thomas Lasser davon, flankt auf Zibert in der Mitte, doch der kommt nicht richtig an den Ball. Dafür aber Diane, der tanzt Rasim Sukzur im Strafraum aus, hat den Ball auf dem rechten Fuß liegen, schieß aber ganz knapp links am Tor vorbei. Drei Minuten später gibt es einen Freistoß von unserer Lieblingsposition, vor dem Block. André Winkhold schlägt den Ball herein, Richtung zweiter Pfosten, aber Henri Heeren verpaßt knapp und der Ball trudelt am rechten Pfosten vorbei. Schade, so etwas ist auch schon einmal reingegangen. Dann naht die Entscheidung. 67. Minute, drei Mann von Saarbrücken meterweise im Abseits, die Linienrichter will die Fahne heben, läßt sie dann aber unten, alles will schon aufhören zu spielen, doch als Saarbrücken merkt, daß es weiter geht, geht es weiter. Und wie, Angriff von rechts, Flanke, Tor ... wieder Aufregung. Resultat : das Tor zählt, Trainer Fuchs muß auf die Tribüne ... noch mehr Aufregung. Zwei Minuten später dasselbe Spiel. Flanke, wieder Kopfball Choji, Tor, 0:2, keine Aufregung mehr. Das Spiel ist entschieden, Alemannia verliert sein zweites Heimspiel hintereinander.

    Schade, daß das Jahr so zu Ende geht. Nach den tollen Leistungen im letzten Halbjahr haben Spieler und Zuschauer besseres verdient.
    (Jupp aus Aachen)

Trainerstimmen in der Pressekonferenz nach dem Spiel:

Uli Sude (Saarbrücken):
Ich denke, wenn man gewinnt, ist alles richtig. Ich habe die Aufstellung heute Morgen noch einmal korrigiert, so wie sie gespielt haben, das war eine Bauchentscheidung mit drei Spitzen zu spielen. Wie man jetzt gesehen hat, war es eine richtige Entscheidung, wobei ich betonen möchte, ob das erste Tor Abseits war, kann ich aus meiner Sicht wirklich nicht beurteilen. Aber ich denke, daß in der zweiten Halbzeit von den Spielanteilen gesehen der Sieg in Ordnung geht. Wir haben heute zwei Mannschaften gesehen von Alemannia und dem 1. FC Saarbrücken, die einen Spitzenfußball geboten haben. In der ersten Halbzeit war es Leidenschaft, was die Begeisterung angeht. Es wurde um jeden Quadratzentimeter gekämpft, und man hat die Spuren auch in der Halbzeit an den Beinen gesehen. Ich habe in der Halbzeit gesagt, die Gefahr ist einfach die, daß, wenn du ein Bein blau hast, meinst, mit elf Mann nicht mehr kämpfen zu müssen und man fährt mit leeren Händen nach Hause. Die Mannschaft hat das beherzigt und hat das andere Bein auch noch blau. Ich bin stolz, das muß ich wirklich sagen, hier in Aachen, wo die Trauben verdammt hoch hängen, gewonnen zu haben. Wir haben uns revanchiert für die 1:0-Niederlage, möchte aber auch sagen, daß die Alemannia ein Fußballsystem spielt, das einmalig ist hier in der Liga, was nachahmenswert ist und das ist ein Riesenkompliment an meinen Trainerkollegen Werner Fuchs. Nicht, weil wir jetzt hier gewonnen haben, es ist immer wieder ein Genuß, hier in Aachen, den Fußball zu sehen, das tolle Publikum, die tolle Atmosphäre. Allen Anwesenden wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Die Meisterschaft wird so interessant wie nie und ich glaube persönlich, daß erst am letzten Spieltag entschieden wird, wer die Nase vorn hat.

Werner Fuchs (Aachen):
Daß ich riesig enttäuscht bin wie viele hier, kann sicher jeder verstehen. Zunächst möchte ich Saarbrücken als fairer Sportsmann zum Sieg gratulieren. Daß wir in Unterzahl geraten sind haben wir uns selbst zuzuschreiben, keine Frage. Wie die Niederlage aber eingeleitet wurde, denke ich nicht. Ich habe absichtlich auch mit zehn Mann mit drei Stürmern weiterspielen lassen, weil ich gehofft hatte, daß wir mit der Unterstützung des Publikums trotzdem gewinnen können. Wir hatten auch kurz nach der Pause nach dem Doppelpaß zwischen Mario Krohm und Stephan Lämmermann die Chance trotz Unterzahl in Führung zu gehen. Das wäre dann für uns einfacher gewesen. Nur nach dem 0:1 und dem 0:2 war klar, daß wir kaum noch eine Chance hatten und ich habe dann neue Mittelfeldspieler gebracht, die frisch waren, damit nicht noch mehr Tore bekommen. Das Torverhältnis kann ja auch wichtig sein. Aber ich denke, daß jeder sein Bestes versucht hat. Es hat leider nicht zu einem guten Abschluß in diesem Jahr gereicht. Wir werden im neuen Jahr wieder angreifen und ich bin sicher, daß meine Mannschaft das verkraften wird. Ich möchte jetzt hier und allem, die draußen zuhöre, danken für die Unterstützung, bei meiner Mannschaft bedanken. Sie hat sehr viel Freude in diesem halben Jahr gebracht. Ich möchte allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen.


Eine gute Meldung gab es dann doch noch nach der Partie.


    Original-Text Alemannia Web vom 20.12.98
    Nach der Pressekonferenz vom letzten Spiel des Jahres 1998 gegen Saarbrücken gab Präsident Sawalies bekannt, daß der Vertrag mit Trainer Werner Fuchs vorzeitig um weitere zwei Jahre bis zum 30.06.2001 verlängert wurde.

Am Abend fand im Schlosspark Rahe die Weihnachtsfeier mit Mannschaft und Mitarbeitern statt. Die Stimmung war natürlich recht getrübt und der Klavierspieler, der das Essen begleitete, trug auch nicht wesentlich zu besserer Stimmung bei. Erst als ein Spieler in einer Pause "Zugabe, Zugabe" rief und seine Mitspieler diesen daraufhin gefangen nehmen wollten, wurde die Stimmung etwas lockerer. Auch an diesem Abend - nach einer solch deprimierenden Niederlage - merkte man, dass ein besonderer Geist in dieser Mannschaft steckte.

Die Winterpause wurde lang und erst Ende Februar sollte die Saison fortgesetzt werden. Zeit zum Erholen.


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